Ecuador – Zentrales Hochland

Nach unserem sehr spanischen Start in Quito fuhren wir ins zentrale Hochland der Anden in den Ort Latacunga. Dies sollte nur ein Zwischenstopp auf unseren Weg nach Quilotoa sein. Wir waren zu diesem Zeitpunkt noch recht unerfahren in punkto Busreisen in Ecuador. Schnell merkten wir, dass unser 4 Jahre alter Loneley Planet Reiseführer ein Update braucht. Alles verlief sehr viel relaxter und organisierter als gedacht. In Quito nahmen wir ein Taxi zum Busbahnhof Quitumbe (Terminal terrestre Quitumbe). Das ist durch die ganze Stadt mit dem ganzen Gepäck wesentlich entspannter. Dort angekommen empfing uns ein abgesicherter neu gebauter Busbahnhof mit unendlich vielen Fahrkartenschaltern. Hier und da riefen einige Anbieter ihre Ziele in die Menge. Ansonsten war es ruhig und durchstrukturiert. So fanden wir schnell den nächsten Bus nach Latacunga. Die Fahrt dauerte 2 Stunden und war entspannt. Keine Raserei, aber dafür jede Menge Verkäufer, die ihre Waren im Bus anboten.

Wir kamen an einem Sonntag in Latacunga an. Es war wie ausgestorben.

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Leere Straßen

Nachdem wir in unsere Unterkunft eingecheckt hatten, schlenderten wir durch die ruhigen Gassen. Am nächsten Tag bekamen wir ein typisches Latacunga Frühstück: Leckere trockene Kekse, die wir mit Marmelade bestreichen konnten, einen besonderen unpasteurisierten Käse aus der Gegend, frisches Obst, frischen Saft (tomate arbol), Spiegeleier und natürlich einen Kaffee en leche, nicht con, sondern en. Wir haben mittlerweile eine besondere Vorliebe für löslichen Kaffee entwickelt. Allerdings lösen wir ihn nur in heißer Milch auf. Echt ein ganz anderer Geschmack und typisch für Ecuador.
Danach brachen wir wieder zum örtlichen Busbahnhof auf und erwischten direkt einen Bus nach Quilotoa. Dort befindet sich die bekannte und beliebte Laguna di Quilotoa, ein wunderschöner Kratersee. lagune

Quilotoa liegt auf dem Quilotoa-Loop, den viele Reisende wandern. Wir haben uns gegen den ganzen Loop und für einen 4-tägigen Aufenthalt bei der Lagune entschieden. Anstatt den ganzen Loop zu wandern, gingen wir hinunter zur Lagune und wieder hinauf. Der Weg hinunter ist in einer halben Stunde erledigt. Hinauf sieht das schon anders aus. Wir haben 2 Stunden gebraucht und waren (vor allem durch die dünne Luft in knapp 4000 Meter Höhe) zwischendurch fix und fertig. Immer wieder machten wir Pausen und schauten dabei auf die Lagune. Das besänftigte mich. Am Ende hatten wir ziemlich staubige Schuhe.

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Untergebracht waren wir für die 4 Tage in der Hosteria Alpaca. Quilotoa an sich ist sehr traditionell ausgerichtet und so war auch die Unterkunft. Alles war sehr robust. Abends wurden in den Zimmern die Öfen angeheizt. Es konnte recht kalt werden in den Bergen.

An unserem dritten Tag wanderten wir um die ganze Lagune herum. Es waren nur 10 km, aber es ging auf und ab. Im Reiseführer steht, dass erfahrene Wanderer 6 Stunden benötigen. Wir brauchten 8…mmmh…eigentlich sind wir mittlerweile Wanderprofis, aber wir machen auch gern mal eine längere Pause und fotografieren eben viel. Es war eine der schönsten Wanderungen unserer Reise. All meine Ecuador-Vorbehalte lösten sich wohl mit dieser Wanderung auf. Im Vorfeld habe ich viele Berichte über Hunde, die einen auf dem Weg begegnen und fast angreifen, gelesen, aber nichts dergleichen passierte: Zum Glück! Es gibt viele Hunde und auch viele Schafherden mit Hunden, aber es blieb alles ruhig.

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Von Quilotoa aus fuhren wir mit einem Pickup nach Chugchilan, also einen Ort weiter. Die öffentlichen Busse fahren in diese Richtung nicht so oft, ich glaube nur einmal am Tag. Die Pickup-Preise sind verhandelbar. Fast jeder Einheimische hat so einen Pickup. Handeln ist immer gut angebracht. Es war eine schöne Fahrt durch die Anden, denn wir saßen hinten auf dem Wagen und hatten alles gut im Blick.

In Chugchilan verbrachten wir drei entspannte Tage im Hostal Cloud Forest.

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Hostal von außen

Eine sehr schöne Unterkunft mit sehr gutem Essen. In der Region ist üblicherweise Frühstück und Abendessen im Preis inklusive. In Quilotoa gab es jede Menge Restaurants. In Chugchilan kaum noch. Und es gab auch viel weniger Touristen. Grund hierfür war das Mama-Negra-Fest in Latacunga. Hunderte verkleidete Tänzer ziehen dann durch die Straßen. Alle Touristen sind natürlich dort, nur wir haben uns dagegen entschieden. So hatten wir ein paar ruhige Tage im Hochland. Direkt nach unserer Ankunft wurden wir zu einer örtlichen Käserei gebracht. Diese besichtigten wir und anschließend wanderten wir zurück nach Chughchilan. Wie schon in Quilotoa befanden wir uns im Vulkangebiet und entsprechend ist alles recht karg. Es fehlt eindeutig das Grün. Dafür begeisterten uns all die Tiere, denen wir unterwegs begegneten. Alle waren erstaunt uns zu sehen :-).

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Von Chugchilan aus ging es zurück nach Latacunga. In Latacunga blieben wir drei weitere Tage. Der Vulkan und der dazugehörige Nationalpark Cotopaxi riefen nach uns und wir folgten dem Ruf. Ich hatte mich mittlerweile eigentlich ganz gut an die Höhe gewöhnt, dachte ich. Für die Besteigung des Cotopaxi brauchten wir (Vorschrift) einen Guide, deshalb entschieden wir uns für eine geführte Tour, die das Hostal organisierte. Wir waren sieben Leute und fast alle sprachen Deutsch. Die Anfahrt nahm etwa eine Stunde in Anspruch. Im Nationalpark angekommen, konnten wir erstmal den riesigen schneebedeckten und noch aktiven Vulkan Cotopaxi mit einer Höhe von 5897 m bewundern. Und fotografieren, denn dies ist meistens nur am Morgen möglich. Nachmittags verdecken die Wolken den Vulkan. Bei dem ersten Fotostopp fühlte ich mich direkt an Neuseeland und das Vulkangebiet rund um den Tongariro erinnert. Alles war karg und es gab sehr viel Vulkangestein. Allerdings war auch alles eine Nummer größer als in Neuseeland. Wir fuhren weiter und das bedeutete immer höher. Mir war zu dem Zeitpunkt noch nicht klar, was da eigentlich auf mich zukam.

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Wir fuhren immer höher. Ich fühlte mich ganz gut und bereit, ein wenig auf den Cotopaxi zu steigen. Irgendwann hielt der Guide an und zeigte uns den Weg, den wir nun nehmen konnten, um zur ersten Hütte des Vulkans zu gelangen. Von unten sah das ganz easy aus. Es brauchten nur 200 Höhenmeter überwunden werden. Eigentlich nicht viel. Wir befanden uns auf 4600 m Höhe und die Hütte auf 4800 m. Ich wanderte los. Schon bald merkte ich, dass ich kaum atmen konnte. Dann kam alles zusammen, fehlende Luft, Wind, Anstiege, immer wieder Anstiege und ganz viele junge Spitzenwanderer um mich herum. Ich war bedient. Hatte ich bis dahin noch gedacht, dass ich mittlerweile über eine besondere Wanderfitness verfüge, wurde ich eines besseren belehrt. Zwischendurch dachte ich ans Aufgeben. Ich hatte keine Lust mehr und fragte mich, warum ich da überhaupt hoch wollte. Doch dann ergriff mich der Ehrgeiz. Ich brauchte mehr Zeit als die Anderen aus der Gruppe, aber ich schaffte den Aufstieg. Ich hatte in der Zeit leider gar keine Augen für die wunderschöne Natur um mich herum, aber ich schaffte den Aufstieg. Darauf bin ich sehr stolz. Bergab war wesentlich leichter. Dabei genoss ich dann die tolle Natur und meinen persönlichen Erfolg.
Wir fuhren noch zwei weitere Orte im Nationalpark an, die allerdings nicht so beeindruckend waren wie der Vulkan selbst.

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Nach einem Pausentag endete unsere zweite Etappe in Ecuador und wir fuhren zurück nach Quito. Von Quito aus ging unser Flug nach Galapagos. Von dort sind wir nun auch schon zurück. Nur soviel, es war traumhaft 🙂 !


3 Gedanken zu “Ecuador – Zentrales Hochland

  1. Wieder tolle Bilder einer interessanten u wundervollen Landschaft! Gut, dass ihr euch nach soviel Anstrengung auch ordentlich erholt. 😊

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  2. „Kuh schaut in die Kamera“, „Esel schaut in die Kamera“, „Schaf schaut in die Kamera“…. hat sehr gefallen! 😀 Sehr idyllisch.. und irgendwie ALLES angebunden 🙂

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