Ecuador – Spanischunterricht in Quito

Am 22. Oktober sind wir spätabends in Quito gelandet. Zwischenzeitlich dachten wir, es wird mal wieder ein spannendes Flugabenteuer, denn aufgrund der prekären Wetterlage (viel Wind) konnten wir in New York nicht pünktlich starten. In Panama City hatten wir aber nur eine Stunde zum Umsteigen. Wir „unerfahrenen“ Fluggäste schoben Panik. Doch es ging alles gut. In der Luft kann man reichlich Zeit aufholen und dann war da ja auch noch die Zeitverschiebung. Pünktlich landeten wir gemeinsam mit unserem Gepäck in Quito und wurden von Martha Peréz empfangen. Sie ist die Leiterin der Spanischschule, in der wir uns für eine Woche intensiven Spanischunterricht angemeldet haben. Im Preis inklusive war der Aufenthalt für diese Zeit bei einer spanischen Gastfamilie. Mal was ganz anderes auf unserer Reise.

Nach einer Stunde Autofahrt durch die Nacht von Quito kamen wir bei unserem Zuhause für eine Woche an. Wir wurden sehr herzlich von Tatyana und Maya begrüßt. Tatyana ist die Tochter von Martha. Sie beherbergte und verpflegte uns in ihrem Wohnbereich des riesigen und sich noch im Bau befindlichen Hauses. Maya ist eine Nachbarin, die sie dabei unterstützte. Beide sind Mütter. So lernten wir am nächsten Tag Mayas Tochter Valentina und Tatyanas Sohn Alexander kennen. Sie sind 4 Jahre alt und unzertrennlich.

Unser erster Tag in Quito begann mit einem leckeren Frühstück mit viel Obst, Fruchtsaft, Ei, Müsli und Joghurt. So sollte es dann auch in den nächsten Tagen weitergehen. Das beflügelte meine Spanischkenntnisse. Es entwickelte sich mein erster richtiger Satz auf Spanisch, den ich Tatyana fortan jeden Tag  mit auf den Weg gab: „La comida está muy bien.“ (Das Essen ist sehr gut).

Nach dem Frühstück fuhr Martha mit uns in die Altstadt von Quito. Dafür mussten wir in einen ziemlich überfüllten Bus steigen. Sie gab uns Sicherheitshinweise, z.B. sollten wir den Rucksach immer vor der Brust tragen und nicht aus den Augen lassen, größere Menschenmengen meiden und es gab auch das ein oder andere Viertel und die ein oder andere Straße in Quito, die wir besser nicht betreten sollten. Genau aus diesen Gründen wollte ich gern die erste Woche bei Einheimischen verbringen und Spanisch lernen. Wir konnten uns in Ruhe und mit Unterstützung an die neue Kultur gewöhnen. Martha gab uns nach einer Stunde ihre Telefonnummer und Adresse für den Fall, dass wir uns verlaufen und ließ uns in der Stadt allein.

Wir schlenderten durch die vollgestopften Straßen, atmeten Smog ein, wurden misstrauisch beäugt und ich beäugte ebenfalls misstrauisch. Bald entdeckten wir ein kleines Café und machten erste Erfahrungen mit sehr netten Ecuadorianern außerhalb unseres Zuhauses. Sogar die Busfahrt zurück bekamen wir nach einmal falsch Aussteigen und umständlichen Fragen nach dem Weg gut hin. Wir waren dennoch ganz froh, wieder bei der Familie Peréz zu sein. Die Kinder waren da und sie sollten uns nun die spanische Sprache beibringen. Tatyana hatte ein englisches Farbenspiel herausgekramt und so lernten wir als erstes einige Farben und auch die Zahlen kennen. Das war eine sehr gute Vorbereitung auf unsere erste Unterrischtsstunde am nächsten Tag. Und wir hatten natürlich viel Spaß mit den Kleinen.

Am nächsten Morgen ging es dann 9 Uhr mit unserem Unterricht los. Unsere Spanischlehrerin hieß Gilma und war 65 Jahre alt. Wir mussten nicht, wie anfangs gedacht, in eine Schule fahren. Nein, Gilma kam zu uns ins Haus und unser Unterricht fand in einem weiteren Raum des unfertigen Hauses statt. Nun hieß es 6 Stunden am Tag für 5 Tage intensiv Spanisch lernen. Beide hatten wir überhaupt keine Ahnung von der Sprache. Gilma ließ sich nicht beirren und startete sofort mit ihrem Unterricht. Schnell merkte man ihr ihre Erfahrung und uns unser Sprachtalent an. Zum Glück haben wir beide etwas Ahnung von Sprache an sich. Das half um grammatische Begriffe schnell zu verstehen und einzuordnen. Nach nur einer Stunde konnten wir schon ein paar essentielle „Sätze“ bilden. Hola!, Buenos días!, Cómo está?, Yo soy Nicole., Hasta luego!, Hasta manana!, Buenas tardes!, Buenas noches!, Que tal?, Yo soy cansada., Qué hora es?, Yo soy de Alemania., Yo tengo 36 anos. usw.

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Unsere cuadernos (Hefte)

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Schöne Sprache finde ich 🙂 ! Mir machte es richtig Spaß, mich mal wieder mit etwas anderem außer unserer Reise zu beschäftigen. Ich freute mich regelrecht über Hausaufgaben. In dieser Woche hatten wir wirklich wenig Zeit für andere Dinge. Wir lernten, aßen, lernten, gingen um den Block, machten mit Gilma einen Lehrausflug in die Altstadt, lernten wieder und gingen abends total erschöpft schlafen. Nach dem dritten Tag sehnte sich besonders Kristian nach dem nahenden Wochenende. Ich war immer noch begeistert. Mittlerweile wurden wir in die Konjugationswelt der regelmäßigen und der unheimlich vielen unregelmäßigen Verben eingeführt. Und es kamen natürlich jeden Tag unzählige neue Vokabeln dazu. Abends wollte man dann mit uns noch die neu erworbenen Kenntnisse austesten. Zum Glück konnten wir aber auch ins Englische zurückverfallen. Ich vermischte nun wieder sämtliche Sprachen. Spanisch und Französisch haben ja doch hier und da Gemeinsamkeiten.

Die Woche verging wie im Flug. Der Freitag kam und wir verabschiedeten uns von unserer Lehrerin Gilma. Sie empfahl uns, in der nächsten Woche nochmal die zuerst gelernten Sachen zu wiederholen. Wir nickten eifrig und dann waren wir auf uns allein gestellt. Um uns zu entspannen, fuhren wir in die Altstadt mit dem vollen Bus. Mittlerweile bewegten wir uns wie selbstverständlich durch die Stadt. Ich vermutete nicht mehr an jeder Ecke etwas Böses. Wir konnten uns sogar dem Taxifahrer verständlich machen ohne Englisch. Genau das hatte ich mir von dieser Woche versprochen. Nette Menschen kennenlernen und einen Einblick in Land, Sprache und Kultur bekommen. Ziel erreicht!

Abends beobachteten wir die vielen Nachbarshunde bei ihrer Tagesbeschäftigung – ihr Revier verteidigen, das heißt andere Hunde beobachten und anbellen.

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Am Samstag wollten wir nun etwas mehr als die Altstadt von Quito sehen. Immerhin liegt die riesige Stadt auf 2850 m Höhe inmitten eines Beckens der Anden. Rundherum gibt es 14 Vulkane. Durch die besondere Lage Quitos am Fuße des Vulkans Pichinchas weist das Stadtgebiet insbesondere im Bereich des Zentrums starke Gefälle in Ost-West-Richtung von oftmals mehr als 10 % und damit verbundene steile Straßenverläufe auf. So war jeder kleine Spaziergang sehr anstrengend und mir blieb anfangs die Luft zum Atmen weg. Ich musste mich erst an die Höhenluft gewöhnen. Samstag ging das schon besser und wir entschieden, den Vulkan Pichincha zu erwandern. Dafür fuhren wir erstmal ein ganzes Stück mit der TelefériQo – Zusammensetzung aus dem Wort teleférico (Seilbahn) und Quito – in die Höhe. Genauer gesagt überwanden wir 800 Höhenmeter während der Seilbahnfahrt. Wir hätten das Stück auch gehen können, aber dann hätte ich den Vulkan wohl nicht aus der Nähe gesehen. Die Fahrt mit der Seilbahn war ein schönes Erlebnis. Wir waren etwa 15 Minuten unterwegs.

Oben angekommen machten wir uns auf den Weg zum Rucu Pichincha. Der Vulkan besitzt zwei Gipfel: Rucu und Guagua Pichincha. Unser Ziel liegt näher an der Stadt Quito. Wir hatten tolles Wetter und eine tolle Sicht auf die Hauptstadt Ecuadors. Der Weg war ziemlich steil und wir nahmen uns viel Zeit.

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Wir hätten uns auch mit einem Pferd zum Gipfel bringen lassen können. Nach all dem Lernen wollten wir uns lieber selbst bewegen. Wir schafften es nicht ganz bis zum Gipfel, aber das war egal. Die Akklimatisierung war in Gang. Am nächsten Tag wollten wir weiterziehen. Das zentrale Hochland der Anden wartete auf uns. Und damit noch mehr Höhe und weitere Wanderungen. Deshalb gaben wir uns mit unserer Leistung zufrieden und fuhren glücklich und erschöpft mit der Seilbahn wieder runter und mit dem Taxi nach Hause.

Der Sonntag war dann geprägt vom Abschiednehmen und Weiterreisen. Unser nächstes Ziel war die Lagune von Quilotoa. Freut euch auf den nächsten Beitrag.

 


3 Gedanken zu “Ecuador – Spanischunterricht in Quito

  1. Ihr seid javerrückt, 6h Spanisch lernen…🙈
    Kann aberversrehen, dass dir die Abwechslung gut tat. Lasst es euch weiter gut gehen. 😙

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