Kanada – Inselleben und Abschied

Prince Edward Island

Nach all den Städten und den vielen Kilometern kamen wir endlich an der längsten Brücke Kanadas an – der Confederation Bridge. Sie ist 12,88 km lang und verbindet die Provinzen New Brunswick und Prince Edward Island. Prince Edward Island oder auch PEI ist die kleinste Provinz Kanadas und war unser nächstes Ziel. Für mich war dieses Ziel etwas ganz Besonderes. Schon als Kind wollte ich unbedingt diese Insel besuchen. Aufgekommen ist dieser Wunsch durch das Kinderbuch „Anne auf Green Gables“ von Lucy Maud Montgomery. Die Autorin ist auf PEI geboren und aufgewachsen. Sie machte PEI zum Schauplatz des Kinderbuches und die Hauptfigur Anne Shirley ist zum Teil biografisch, wenngleich sie das nie so richtig zugab. Unser Besuch auf der Insel stand somit ganz unter dem Stern „Auf den Spuren von Anne“.

Während unserer Zeit auf PEI wollte ich mich mal so richtig wie eine Einheimische fühlen. Dazu brauchten wir erst einmal eine schöne Unterkunft. Für eine Woche mieteten wir uns ein Cottage mit einer Terrasse, einem Grill, einer Feuerstelle vorm Haus, einem Ofen im Haus und jede Menge Platz. Wir ließen es uns richtig gut gehen.

Wir waren nur 10 Autominuten von Cavendish und somit vom Zentrum der Anne-Touristenattraktionen entfernt. Natürlich wurde erkannt, womit sich Touristenscharen anlocken lassen. Insbesondere Japaner kommen jährlich zuhauf, um sich auf Annes Spuren zu begeben. Die Kinderbücher waren schulische Pflichtlektüre in Japan. Dass PEI so ein Geschäft mit Anne macht, war mir im Vorfeld nicht klar. In Deutschland kennt die Geschichte kaum jemand. Zumindest in meinem Freundeskreis war ich die Einzige, die die Bücher verschlungen hat. Es hat mich also ziemlich überrascht, die vielen Anne-Geschäfte mit den unterschiedlichsten Souvenirs zu sehen. Dann gibt es ein Anne Museeum, ein Lucy Maud Montgomery Museum, das Dorf Avonlea, das Haus Green Gables und sogar das Musical „Anne & Gilbert“. Ich war ganz perplex und wollte alles sehen. Und so geschah es dann auch. Kristian war ganz tapfer und kam überall mit hin. Sogar ins Musical und er ist nicht eingeschlafen :-). Das war wirklich sehr lieb von ihm.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Ganz nebenbei haben wir natürlich die Schönheit der Insel entdeckt. Besonders gefallen haben uns die wunderschönen Sandstrände, die roten Felsen und Steine, die riesigen Sanddünen, das noch warme Meer, die vielen Leuchttürme, die fantastischen Sonnenuntergänge, die rote Erde, die kühle Brise…alles zu finden bei Cavendish Beach, Stanhope Beach, Brackley Beach, Greenwich und Cape Tryon. Es gibt aber noch vielmehr zu entdecken. Wir haben zwar unseren Aufenthalt noch um drei Tage verlängert, aber die Zeit reichte trotzdem nicht aus, um wirklich überall mal gewesen zu sein. Für mich war es ein absolutes Highlight unserer Reise.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Neufundland

Anschließend hieß es, Kristian einen Herzenswunsch zu erfüllen. Wir fuhren wieder einige hundert Kilometer, durchquerten einen Teil der Provinz Nova Scotia und setzten schließlich in 8 Stunden mit der Fähre von North Sydney nach Neufundland über. Unser erster Stopp auf Neufundland war der Nationalpark Gros Morne. Mittlerweile war es nachts nicht mehr so warm, sodass wir uns in das Bonne Bay International Backpackers Hostel in Norris Point einmieteten. Das Hostel ist ein altes Krankenhaus. Es gibt Zweimann- und Einzelzimmer, eine Bibliothek und einen Radiosender. Ich war vor unserer Ankunft überhaupt nicht begeistert. Wir bekamen irgendwie nie eine Antwort auf unsere Buchungsanfrage. Aber als wir dort ankamen, stellten wir fest, dass der Mann, der das Hostel führt, noch viele andere Jobs hat. Er war super freundlich und ich versöhnt. Das Hostel ist echt günstig und sehr individuell.

Das Wetter war wechselhaft und so gestalteten sich dann auch unsere Ausflüge. Besonders schön war unsere Bootsfahrt auf dem Western Brook Pond. Das ist ein 16 km langer und 165 m tiefer Fjord, der von einem bis zu 600 m hohem Bergmassiv umgeben wird. Um überhaupt auf das Boot zu kommen, sind wir zuerst ein kleines Stück durch sumpfiges Gebiet gewandert. Ganz in der Ferne sahen wir das Bergmassiv bei strahlendem Sonnenschein. Die Bootsfahrt dauerte etwa 2 Stunden und war sehr beeindruckend. Es gab viele schöne Wasserfälle.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Wenn es das Wetter zuließ, waren wir wandern. Einmal sind wir den Coastal Trail, also an der Westküste Neufundlands entlang gewandert. Und ein anderes Mal haben wir einen Berg bestiegen (Lookout Trail), um einen guten Ausblick auf die Bonne Bay, den Gros Morne (höchste Erhebung dort) und die Tablelands (Hochland mit rotem Gestein) zu haben. Selbst bei schlechtem Wetter war irgendwie alles schön. Sogar der angekündigte Bär hat mir keine Sorgen bereitet. Es windete, regnete, es ging steil bergan und ich war trotzdem happy.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Bald schon ging es weiter an die Ostküste Neufundlands. Wir verbrachten ein paar Tage in der Hauptstadt St. Johns. Hübsches kleines Städtchen mit unglaublich schönen bunten Häusern. Von St. John’s aus unternahmen wir wieder Ausflüge. Immerhin läuft an der Ostküste der sogenannte East Coast Trail entlang. Dieser Fernwanderweg gehört keinem Nationalpark an, sodass es dort nur wenige Camping-Möglichkeiten gibt. So richtig lud das Wetter auch nicht mehr zum Campen ein. Aber wenn mal die 220 km Küstenwanderweg komplett wandern möchte, wären Campingplätze durchaus hilfreich. Wir wanderten ein paar Abschnitte und es war traumhaft schön. Das Wetter spielte meistens mit und so hatten wir wunderschöne Stunden entlang am blauen Meer. Wir waren auch am Cape Spear, dem östlichsten Punkt Nordamerikas. Das war quasi das Ziel unseres langen Weges vom Westen in den Osten Kanadas. Es war somit geschafft. Ein bewegender Moment für uns beide.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Cape Breton

Unser letzter Inselaufenthalt war nur zwei Tage lang und Cape Breton ist eigentlich eine Halbinsel, aber nicht minder schön. Besonders schön zeigten sich viele Laubbäume. Der Indian Summer begann…

Abschied

…und setzte sich in Martins River, unserer vorletzten Station in Kanada, fort. Dort haben wir gemütliche Tage in einem wunderschönem Cottage verbracht. Der Verkauf unseres Old Scratchys wurde eingeläutet. Unsere Vermieterin unterstützte uns tatkräftig dabei. Wir machten nur noch kurze Ausflüge und begannen uns allmählich von Kanada zu verabschieden.

cottage

Heute ist unser letzter Abend in Kanada. Seit einigen Tagen sind wir nun in Halifax. Vor 2 Tagen haben wir Old Scratchy verkauft. Heute gingen die letzten Camping-Sachen weg. Es gibt hier auch sowas wie Ebay Kleinanzeigen. Ja und morgen geht es dann weiter. New York ist unsere nächste Station. Wir sind gerade etwas traurig und wehmütig.

 

 


2 Gedanken zu “Kanada – Inselleben und Abschied

  1. Ohje, das glaube ich! Ich bin mit euch mit wehmütig : ( Kanada ist laut Bild und Bericht genauso toll, wie ich es mir immer vorgestellt habe. Danke für die vielen Fenster in die Ferne! Ich hoffe ihr könnt dennoch die kommende Zeit genießen.

    Like

Hinterlasse eine Antwort zu Ella Antwort abbrechen