Kanada – Roadtrip auf dem Trans Kanada Highway

Mittlerweile sind wir auf Neufundland und somit weit im Osten Kanadas angekommen. Dafür haben wir etwa 12000 km mit unserem alten Ford zurückgelegt. Manch einer, den wir auf unserem Weg getroffen haben, prophezeite uns, dass wir es nie und nimmer mit dem alten Karren nach Neufundland schaffen werden. Tja, da haben sie sich alle verschätzt :-).

Nach den Rocky Mountains ging unser Roadtrip los. Der Trans Kanada Highway East wurde unser Zuhause. Wir ließen die kanadische Provinz Alberta hinter uns und fuhren durch Saskatchewan hindurch. In Manitoba stoppten wir dann für vier Tage bei der Tochter einer Freundin von Kristians Eltern. Sie lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Brandon. Das liegt etwa 200 km von Winnipeg entfernt in der kanadischen Provinz Manitoba. Vier Tage wurden wir beherbergt. Endlich hatten wir mal wieder Familienanschluss. Danke nochmal für alles!

Unser nächster Stopp war gar nicht weit weg. Winnipeg sollte es sein, obwohl wir im Vorfeld nichts Gutes über die Stadt gehört hatten. Aber es erwartete uns Post und das wollten wir natürlich nicht verpassen. So entdeckten wir unser Winnipeg und waren angenehm überrascht. Das Museum für Menschenrechte können wir nur empfehlen. Wir haben viel über Kanada und sogar Neues über den Holocaust gelernt. Dann gibt es noch super tolle Schokolade im Constance Popp Schokoladenshop und The Forks, einen netten Stadtteil mit Markthalle, fanden wir ganz schön.

Drei Tage später ging die Fahrt dann weiter und nun für längere Zeit, denn unser nächster Stopp lag 2100 km entfernt. Wir wollten in die Hauptstadt Kanadas – Ottawa. Bald schon erreichten wir die nächste Provinz – Ontario. Kanada ist ja durchweg zweisprachig, das heißt, man wird meistens mit „Hello“ und „Bonjour“ begrüßt. Viele Schilder sind zweisprachig. Dennoch war die französische Sprache erst richtig präsent, als wir Ontario erreichten. Selbst das Highway-Schild gab es nun in beiden Sprachen.

In Ontario befindet sich der größte See, den ich jemals gesehen habe und sehen werde. Der Lake Superior wirkt wie ein Meer und liegt zur Hälfte in den USA. Tagelang konnten wir die schöne Aussicht auf den größten See der Welt beim Autofahren genießen. Im Nationalpark Pukaskwa wanderten wir dann auch mal am See entlang.

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Nach fünf Tagen Autofahrt mit mal Campen und mal im Motel schlafen und vielen Tim Hortons Stopps erreichten wir schließlich Ottawa. Tim Horton ist die kanadische Antwort auf McDonalds und Dunkin‘ Donuts. Je näher wir Ottawa kamen, desto besser wurde das Lebensmittelangebot :-). In Ottawa fanden wir sogar einen Bioladen, wo wir leckere Samosa mit Falafel-Füllung kauften. Mittlerweile haben wir viele kanadische Städte kennengelernt und leider gibt es fast immer nur den gleichen ungesunden Kram. Fast wären wir zum Tim Hortons Junkie geworden. Aber nicht nur die Lebensmittel wurden besser, auch das Stadtbild war insgesamt viel schöner. Endlich mal wieder ältere Gebäude.

Etwas über die Geschichte der Frauen Kanadas haben wir in Ottawa entdeckt und gelernt. Fünf engagierten Frauen (The Famous 5) war es zu verdanken, dass Frauen im Jahre 1929 überhaupt erst als Personen vor dem Gesetz angesehen wurden. Dafür mussten sie aber weit über den Ozean nach Großbritannien reisen. Erst dort wurde das Gesetz geändert. Frauen waren nun als Personen anerkannt und konnten für den Senat kandidieren. In Ottawa gibt es ein Denkmal der fünf Frauen. Wir erfuhren, dass es Diskussionen gab, wo dieses Denkmal stehen sollte. Viele fanden es nicht gerechtfertigt, dass die Frauen vor dem Regierungsgebäude aufgestellt werden sollten, da sie keine wichtigen Politiker waren. Selbst nach so langer Zeit gibt es noch sehr viel zu tun für die Gleichberechtigung der Frau.

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Ottawa liegt übrigens in zwei Provinzen – Ontario und Québec. Als wir in Ottawa zu unserem nächsten Ziel aufbrachen, hatten wir die nächste Provinz recht schnell erreicht.

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Und auch unser Tagesziel, Montréal, lag nur einen Katzensprung entfernt. In Québec wurde nun fast nur noch Französisch gesprochen. Natürlich wird die englische Sprache beherrscht, aber überall lag französisches Flair in der Luft. Wir fühlten uns wie in Europa und ich kam immer durcheinander mit den Sprachen. Auch wenn wir nirgends das Kanada entdecken konnten, was wir kannten, gefiel uns die Stadt sehr gut. Es gibt viel Street Art in Montréal und zufälligerweise fand ein Street Art Festival statt. Künstler malten die ganze Nacht Bilder auf die Straße. Tänzer aller Art zeigten, was sie können. Überall gab es Musik. Wir waren mal etwas länger auf und genossen die warme Sommernacht. Die fertigen Kunstwerke bestaunten wir dann am nächsten Tag. Wir zogen zu Fuß durch die Stadt und sahen zahlreiche schöne bunte Häuser, viele Parkanlagen und noch mehr Street Art.

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Bevor wir wieder abfuhren, genossen wir noch ein weiteres regelmäßiges Event in Montréal. Jeden Sonntag im Sommer finden sich Trommler im Parc du Montréal zusammen und musizieren gemeinsam. Diese Veranstaltung nennt sich Tam-Tams. Das hat uns total beeindruckt. Wir waren fast die ersten Zuschauer und konnten ganz gut beobachten, wie sich das Ereignis entwickelte. Zuerst waren es nur wenige Musiker da. Händler bauten ihre Stände auf. Nach 3 Stunden hatte sich der Park gefühlt. Viel mehr Musiker trommelten. Viele Leute tanzten. Es hätte nicht mehr viel gefehlt und sogar Kristian hätte das Tanzbein geschwungen. Soweit kam es dann aber nicht. Als es am Schönsten war, brachen wir auf. Die nächste Stadt wartete auf uns.

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Noch am selben Abend erreichten wir Québec City. Wir hatten nach Ottawa und Montréal große Erwartungen. Leider wurden diese nicht erfüllt. Die Stadt ist alt und hat tolle Gebäude, aber sie wirkt sehr geleckt. Selbst wenn der Bordstein nicht schmutzig ist, wird geputzt. Aber wir haben für uns wieder etwas entdeckt. Ein tolles Museum – Musée de la Civilisation. Wir haben viel über die indigenen Völker erfahren und die lustige Ausstellung „Like Cats and Dogs“ gesehen. Wir wurden für kurze Zeit wieder Kinder und kreierten unsere eigenen Comics mit Stempeln oder sogar mit dem Computer.

Von Québec City aus hatten wir noch einen weiten Weg zurückzulegen. Dazu dann im nächsten Beitrag mehr. Neben den vielen Städten haben wir natürlich auch viel Natur auf unserer langen Fahrt durchs Land gesehen. Unheimlich viele Wälder. Es war immer ganz gut bei jeder Tankstelle zu tanken, denn oft lagen die „Städte“ weit auseinander. Es leben nur 34 Millionen Menschen in Kanada. In Deutschland leben 82 Millionen Menschen und Kanada ist 28 Mal so groß wie Deutschland. Ist also viel Raum für Natur. Bären haben wir aber keine mehr gesehen. Die leben tief in den Wäldern und verirren sich nun nicht mehr an den Straßenrand. Und die Beerenzeit ist allmählich vorüber.


3 Gedanken zu “Kanada – Roadtrip auf dem Trans Kanada Highway

  1. Hallo Ihr beiden! Tolle Beiträge!! Ich warte schon immer sehnsüchtig auf den nächsten! Danke für die viele Arbeit!

    Liebe Grüße und weiterhin viele schöne Eindrücke auf Eurer Reise!

    Antje

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  2. Ich kann mich Antje nur anschließen! Die Berichte können gar nicht lang genug und die Fotos gar nicht zahlreich genug sein 😀 Viel Raum für Natur (und Seefläche), das könnten wir hier auch gebrauchen.

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  3. Super tolle Berichte von Euch. Immer wieder eine Freude sie zu lesen. Fantastische Bilder. Man hat fast das Gefühl live dabei zu sein. Danke dafür. Liebe Grüße!
    Peter

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