Kanada Vacouver Island – Camping mit Bären

Seit dem 30. Juni sind wir nun schon in Kanada und insgesamt werden wir 3,5 Monate hier verbringen. Unser Plan ist, vom Westen Kanadas in den Osten zu fahren. Und zwar auf dem Trans-Canada Highway.

Am 30. Juni kamen wir mit dem Zug aus Seattle in Vancouver, Kanada an und wurden direkt von zwei Mädels aus Europa abgeholt. Für unsere lange Strecke brauchten wir ein Auto. Und die beiden wollten ihres loswerden. Perfekt. So trat Old Scratchy in unser Leben. Ein in die Jahre gekommener Ford Explorer. Er hat schon über 300000 km runter, schnurrt aber noch wie ein Kätzchen. Direkt am Bahnhof in Vancouver ging dann das Verkaufsgespräch los. Wir sammelten unseren ganzen Auto-Sachverstand  zusammen. Dazu gehörte ein paarmal ums Auto gehen, Probefahrt, Motorhaube auf und intelligent gucken. Wir verhandelten noch etwas um den Preis. Unser Angebot war ok für die Mädels und dann ging es ab zum nächsten Versicherer. Zwei Stunden in Kanada und wir waren Autobesitzer. Ein paar Tage später hatten wir dann auch den perfekten Namen: Old Scratchy. Old erklärt sich sicher von selbst. Scratchy, naja, er hat einen riesigen Riss in der Frontscheibe. Stört aber nicht. Und das ist er :-).

Eine Woche verbrachten wir in Vancouver und erkundeten die Stadt. Wir feierten den Canada Day mit, spazierten an der Waterfront entlang, fuhren Rad in einem der größten Stadtparks der Welt, dem Stanley Park, schlenderten durch die Cafészene, durchstöberten Souvenirläden (ein Vergnügen, das ich mir gern erspart hätte, aber ich reise ja nicht allein :- ) ), kauften uns einen Kanada-Reiseführer und eine Straßenkarte, waren beim Friseur, gönnten uns ein indisches Buffet und chillten in unserer Airbnb-Unterkunft. Es war ein sehr schöner Stadtaufenthalt.

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Mit Old Scratchy und einigen Vorräten brachen wir schließlich zu unserem Kanada-Abenteuer auf. Unser erstes Ziel war Vancouver Island. Dort läuft der West Coast Trail entlang. Einer der schönsten und anspruchsvollsten Fernwanderwege Kanadas. Kristian wollte den gern wandern. Ich nicht so. Wir setzten erstmal mit der Fähre vom Festland auf die Insel über. Es regnete. Meine Lust auf eine mehrtägige Wanderung stieg nicht besonders. Wir fuhren in Richtung des Wanderweges, um uns zu erkundigen. Es gibt ein Reservierungsprozedere, um die Menschenflut einzudämmen. Es kann schon mal ein paar Tage dauern, bis man loswandern kann. Wir hatten außerdem die Hoffnung, dass der Regen aufhörte und gleichzeitig meine Wanderslust stieg. Glücklicherweise können wir auch in unserem Allrounder Old Scratchy schlafen. Unser Zelt ist nicht so wasserdicht. Das war dann auch einer der Gründe, warum wir uns gemeinsam gegen den West Coast Trail entschieden haben.
Stattdessen wanderten wir teilweise den Juan de Fuca Trail. Das ist ebenfalls ein Fernwanderweg, aber dieser hat Einstiege für Tageswanderungen. So blieben wir für 4 Tage auf einem Campingplatz in der Nähe des Trails und wanderten zwei Abschnitte. Die erste Wanderung führte uns zum Mystic Beach. Und der Name war Programm. Die Sonne hatte keine Lust sich zu zeigen und so war die Stimmung recht mystisch am Strand. Doch wir ließen uns nicht den Spaß verderben.

Zwei Tage später hatte der Regen endlich aufgehört und die Sonne schien. Ich hatte große Lust, den Botanical Beach, ein weiterer Abschnitt des Juan de Fuca Trails, zu erwandern. Versprach die Beschreibung doch Seesterne, Korallen, Muscheln und ich stellte mir alles sehr bunt vor. Es gab auch wieder Warnungen vor Bären. Ich habe diese aber gar nicht mehr so ernst genommen. Für mich war der Bär ein Mysterium. Er ward nie gesehen.

Als wir endlich dort waren, zog nach einiger Zeit Nebel auf. Zuerst sah es so aus.

Die Sonne verschwand und es wurde ziemlich düster. Und dann passierte es. Ich sah aus dem Augenwinkel meinen ersten Schwarzbären, aber nur für eine Sekunde. Glücklicherweise war er auf den Weg zurück in den Wald, durch den wir gerade noch gewandert waren. Ich wurde leicht hysterisch, machte auf den Absatz kehrt und ging sicherlich viel zu schnell weg vom Ort des Geschehens. Kristian hingegen war völlig aufgekratzt und fragte mich, wo er denn gewesen sei. Ich meinte nur, das sei doch nun wirklich scheißegal. Da trafen zwei Welten aufeinander – Bärenliebhaber und Bärennichtliebhaber.

Als wir uns endlich einige Meter entfernt hatten, begegneten wir einem anderen Wanderer und der meinte, dass er einen Bären an einem anderen Strandabschnitt nur wenige Meter von uns gesehen hat und dass er noch da sein müsste. Toll! Anstatt schnell zum Auto zurück zu gehen, gingen wir natürlich direkt zum nächsten Bären. Allein habe ich mich nicht durch den Wald zurück zum Auto getraut. Und mit Kristian war ja nicht mehr zu reden. So stand ich da am Strand mit noch etwa 20 anderen Leuten und beobachtete meinen zweiten Schwarzbären an nur einem Tag. Er stiefelte ganz gemächlich am Ufer entlang und die Menschen interessierten ihn gar nicht. Vielmehr behauptete er seinen Platz in der Natur. Er machte sich den Weg frei. Einige Leute (Kristian auch) standen quasi auf seinem Weg. Als er ihnen entgegen kam, wichen sie dann doch endlich mal vor ihm aus und zogen sich zurück. Der Bär bahnte sich seinen Weg zurück in den Wald. Als er endlich verschwunden war, setzten wir uns hin und ich war völlig fertig. Das war zuviel Stress für mich. Meine erste Bärenbegegnung blieb nicht ohne Spuren. Ich träumte nachts davon und beim Wandern war Angst vor einer erneuten Begegnung nun mein ständiger Begleiter. Aus dem Mysterium ist nun Realität geworden.

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Dennoch hatten wir eine schöne Zeit auf Vancouver Island mit einigen Wanderungen. Insgesamt waren wir etwa 12 Tage dort und haben die ganze Zeit gecampt. Old Scratchy wurde nach vier unbequemen Nächten noch ein bisschen gepimpt. Es liegt nun eine Schaumstoffmatratze hinten drin :-).  Hier noch ein paar schöne Bilder.

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2 Gedanken zu “Kanada Vacouver Island – Camping mit Bären

  1. Woah, es sieht auf den Bildern genauso toll aus, wie ich es mir vorgestellt habe ❤ Kristian sieht geradezu selig aus 😛
    Beim Anblick des Bären wäre ich auch hysterisch geworden und hätte die Flucht angetreten : ) Da hilft kein gutes Zureden

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