Neuseeland – Wandern und weiter staunen

Wie im letzten – schon vier Wochen zurückliegenden – Beitrag versprochen, berichte ich heute ein wenig über unsere bisher einzige und meine erste Mehrtageswanderung. Wir wollten unbedingt einen von Neuseelands Great Walks machen. Insgesamt gibt es 9 davon. Ein Great Walk geht immer über mehrere Tage und durch die wunderschönste Natur Neuseelands. Übernachtet wird entweder in einer Hütte oder im Zelt. Den beliebten Milford Sound Track im Fjordland Neuseelands (Südinsel) konnten wir direkt vergessen. Es gab keine Plätze mehr in den Hütten und auch nicht auf den Campingplätzen. Da hätten wir schon direkt von Deutschland aus Monate im Voraus buchen müssen. Wir fanden eine würdige Alternative im Routeburn Track.

 

Die Vorbereitungen für solch eine Wanderung haben uns schon die ersten 2 Wochen in Neuseeland begleitet. Wir hatten ja keine Ahnung, was man braucht und was man alles organisieren muss. Zuerst buchten wir die Hüttenübernachtungen. Als das erledigt war, klärten wir die Frage, was wir alles mitnehmen müssen. Glücklicherweise gab es online eine Packliste. Am Schluss hatte jeder von uns etwa 13 kg auf dem Rücken: Schlafsack, Thermounterwäsche, lange und kurze Sachen, Hygieneartikel, Sonnencreme, Sonnenhut und natürlich jede Menge zu essen. Ach ja, Kristian hat mit Sicherheit noch ein Kilo mehr als ich gehabt, da er ja eine kleine Auswahl seiner Tipp-Kick-Figuren immer dabei hat :-).

Dann musste der Transport zum Start und vom Ziel organisiert werden. Das war unsere größte Hürde. Es gab mehrere Möglichkeiten und wir wussten nicht so recht, welche davon die beste und günstigste ist. Schlussendlich hatten wir kaum noch Zeit und haben uns für die Queenstown-Variante entschieden. Queenstown ist bekannt  als das Funsport-Mekka in Neuseeland und Ausgangspunkt für viele sportliche Aktivitäten. Wir beauftragten einen Shuttle-Service, uns mit dem Bus zu unserem Ausgangspunkt für die Wanderung zu bringen und 3 Tage später am Ziel wieder abzuholen.

In Queenstown angekommen, mussten wir erstmal die Karten für die Hüttenübernachtungen abholen und uns einen sicheren Parkplatz für unseren Campervan suchen. Ganz früh am morgen ließen wir ihn in einem Wohnviertel stehen und gingen mit einem etwas mulmigen Gefühl zu unserem Shuttle-Service. Wir waren nicht die Einzigen, die wandern wollten. Etwa 20 Leute fuhren mit uns zusammen. 2 Stunden dauerte die wilde Fahrt an wunderschönen Ausblicken vorbei.

Am Startpunkt Routeburn Shelter (500 Höhenmeter) stiegen wir aus und uns wurde klar, dass nun 32 km und 2 Hüttenübernachtungen vor uns lagen.

Tag 1

Aufbruch war gegen 10 Uhr. Wir schulterten unsere Rücksäcke und gingen in einen schönen Buchenwald.  Nach 9 km sollten wir unser erstes Ziel auf der Strecke – die Routeburn Falls Hut (1000 Höhenmeter) – erreichen.  Um dorthin zu gelangen, haben wir den Routeburn über zahlreiche Hängebrücken überquert. Mittlerweile habe ich kein mulmiges Gefühl mehr dabei, es sei denn, irgendwer findet es lustig, besonders wild darauf herumzuspringen (danke, Kristian!). Die Sonne schien. Leider kamen die Sonnenstrahlen nicht durchs Blätterwerk des Waldes, sodass es ein bisschen frisch war. Der einzige richtige Anstieg der Etappe kam erst am Ende, also kurz vor unserem Tagesziel. Da haben wir dann den Rucksack und die Sonne gespürt. Aber wir haben es geschafft und sind gegen 15 Uhr am Ziel angekommen. Wir reservierten uns 2 Betten im Schlafsaal und gingen in den Gemeinschaftsraum auf der Suche nach ein bisschen Wärme. Diese Suche sollte für den Rest des Abends und für die Nacht erfolgslos bleiben.

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Tag 2

Wir waren die Ersten, die ihr Nachtlager verließen. Ich hatte im Laufe der Nacht alle meine Sachen angezogen in der Hoffnung auf etwas Wärme. Über meine beiden Wollsocken-Paare habe ich noch ein drittes von Kristian gezogen. Die erhoffte Wärme blieb aus, mir war die ganze Nacht bitterkalt :-(. Ich hatte große Lust auf Wandern :-). Wir machten uns Frühstück und rüsteten uns für den Tag. Gegen 8 Uhr zogen wir los. Endlich in Bewegung wurde mir warm. Dennoch war meine Laune wegen dieser verdammt kalten Nacht auf dem Nullpunkt. Dazu noch der schwere Rucksack und der Morgennebel. Ich konnte mich nicht an der wunderschönen Natur erfreuen, weil ich so mit mir haderte. 12 km lagen vor uns. Das Wetter schien nicht toll zu werden – keine tollen Aussichten.

Doch dann riss der Himmel auf, die Sonne kam raus, mir war warm und die Aussichten wurden immer besser. Wir hatten zwar nicht die absolute Einsamkeit auf der Strecke, aber tollste Natur: schneebedeckte Berge, endlose Wälder, blauer Himmel, Wiesen, unzählige Wasserfälle, Flüsse, Seen. Es gab mehrere Anstiege (Harris Saddle 1250 Höhenmeter), die wir an diesem Tag gut überwanden. Am Ende der Strecke folgte dann ein langer Abstieg, der uns in einen Märchenwald führte. Die Bäume waren von Moos bewachsen und wuchsen kreuz und quer. Mich erinnerte alles an „Der Herr der Ringe“. Auch wenn es sehr schön war, war dieser letzte Abschnitt sehr beschwerlich. Der Rucksack wurde immer schwerer. Irgendwann sind wir dann aber doch an der Lake Mackenzie Hut (900 Höhenmeter) angekommen. Unsere 2. Hütte. Ich hatte etwas Panik vor der nächsten Nacht. Die war aber völlig unnötig. Es war angenehm warm im Schlafsaal. Den einen laut schnarchenden Wandersmann konnte ich mit meinen Ohrenstöpseln gut aus meinen Träumen ausschließen.

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Tag 3

Nach einer einigermaßen ruhigen, erholsamen und vor allem warmen Nacht brachen wir gegen 9 Uhr zu unserer letzten Etappe von 12 km auf. Gleich am Anfang gab es einen Anstieg. Wir meisterten ihn. Unsere Rucksäcke waren ja nun auch schon etwas leichter. Immerhin fehlte Essen von 2 Tagen. Wir querten wieder mehrere Flüsse und sahen viele Wassrfälle. Das absolute Highlight dieses Wandertages war ein riesiger Wasserfall – die Earland Falls. Der war gigantisch. Dort haben wir uns eine Weile aufgehalten und viele Fotos gemacht. Am Ende gab es dann noch einen sehr steilen Anstieg, glücklicherweise nur 20 Minuten. Gegen 15 Uhr waren wir am Ziel – The Divide (500 Höhenmeter). Wir hätten noch den sogenannten Key Summit mitnehmen können, haben uns aber gegen 1000 Höhenmeter entschieden. Bald darauf saßen wir im Bus zurück nach Queenstown. Erschöpft, aber glücklich :-).

Das Abenteuer Mehrtageswanderung haben wir gut überstanden und planen jetzt etwas Ähnliches für Kanada.

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2 Gedanken zu “Neuseeland – Wandern und weiter staunen

  1. Hi Ihr 2, wieder herrliche Bilder und einen tollen Reisebericht. Keine Blasen gelaufen? Ja, wenn man (Frau) friert kann sehr schnell schlechte Laune aufkommen 🙂 Aber Ihr habt es gut gemeistert. Auf zum nächsten Ziel. Liebe Grüße, Peter

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  2. Tolle Bilder! Es macht Spaß eure Reise zu verfolgen: besonders Neuseeland Hab ich sehnsüchtig verfolgt.

    Liebe Grüße Claudia

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