Am Strand in Canoa
Nach unserer Dschungeltour kehrten wir mit dem Nachtbus zurück nach Quito. Wir dachten, wir kommen gegen 6 oder 7 Uhr an. Tatsächlich war es 4 Uhr. Ein bisschen zu früh, um bei unserem Hostel aufzuschlagen. Wir vertrieben uns die Zeit mit Scrabbeln. 2 Stunden später stiegen wir in ein Taxi, checkten im Hostel ein, frühstückten nett und schliefen den Rest des Tages.
Fit und munter fuhren wir am nächsten Tag wieder zum Busbahnhof Quitumbe. Unsere letzte große Tour in Ecuador stand bevor. Wir wollten an die Westküste, genauer an den Strand von Canoa. Auf dem Weg dorthin erwarteten wir Verwüstung, denn im April gab es in dieser Region ein großes Erdbeben.
Dieses Mal hatten wir eine ganz doofe Busgesellschaft erwischt: Reina del Camino. Leider reichen meine Spanischkenntnisse nicht, um zu verstehen, wer noch in diese Richtung gefahren wäre. Diese Gesellschaft kann ich jedenfalls nicht empfehlen. Wir durften nichts essen (unsere Sandwiches lagen vorn beim Fahrer bis zur Pause) und auch unsere kleinen Rucksäcke nicht mit in den Bus nehmen. Sonst war das Busfahren immer sehr entspannt in Ecuador. Aber dieses eine Mal war ich echt super genervt und die nette Dame ließ auch absolut nicht mit sich reden. Mein gut einstudierter Satz „Hablo solamente un poquito español.“ half mir rein gar nichts. Es war ihr völlig egal, dass wir nicht verstanden, warum sie diese Verbote aussprach. Kurz vor der Abfahrt wurden wir wegen der Sicherheit auch noch gefilmt. Sie ging durch die Reihen und filmte jeden einzelnen Fahrgast. Kristian fragte, warum sie das tat. Sie antwortete nur: „Das ist meine Arbeit.“. Sie war schon etwas wütend, weil wir ihr den Tag mit soooo vielen Fragen vermiest hatten. Die anderen Fahrgäste erklärten uns, dass wohl wegen der Sicherheit gefilmt wird. Keine Ahnung, welche Erfahrungen die Busgesellschaft schon gemacht hat, aber wir haben bei all unseren Busfahrten nichts Negatives erlebt. Ich fand es eher befremdlich, meine ganzen Sachen unten in den Bus packen zu müssen. Da hatten wir ja nun rein gar keine Möglichkeiten mehr, auf unser Gepäck irgendwie aufzupassen.
Als die gute Frau uns endlich ziehen ließ, war die Busfahrt recht angenehm. Das war nämlich auch das einzige Mal, wo kein Verkäufer dazu stieg, denn es war verboten. Das hieß, es gab kein frisches Obst oder Nüsse oder Yucca-Brot und auch keine endlos langen Vorträge über irgendwelche Pillen, Cremes oder kranke Familienmitglieder. Stattdessen genossen wir den Ausblick auf riesige Bananenplantagen. Je näher wir Canoa kamen, desto mehr zerstörte Häuser oder freie Flächen zwischen Häusern sahen wir. In Canoa selbst waren die Folgen des Erdbebens ebenfalls deutlich zu sehen.
Wir blieben eine Woche dort und waren die meiste Zeit die einzigen Gäste in unserer Unterkunft. Es gab unzählige Unterkünfte in Canoa, aber irgendwie kaum Gäste. Laut Reiseführer geht die Saison im Dezember wieder los. Blieben die Gäste nun wegen des Erdbebens weg? Bis zum Schluss haben wir das nicht richtig herausgefunden.
Für uns war unser Aufenthalt in dem kleinen Fischerdorf die erste Etappe des Verabschiedens. Wir erholten uns von den letzten Trips, stimmten uns auf Europa ein, planten Amsterdam, genossen die letzten warmen Tage am Strand in der Sonne, schliefen viel im Bett oder der Hängematte, scrabbelten, streiften durch die Straßen des kleinen Fischerdorfes, beobachteten Surfer und Fußballer, tranken Cocktails…