Nach unserem Yosemite-Aufenthalt waren wir zwei Nächte in Sacramento. Unsere erste sehr positive Airbnb-Erfahrung. Unsere Gastgeberin überließ uns ihr ganzes Haus. Wir konnten Wäsche wasche, baden, kochen, ihr Essen essen, Netflix ausprobieren- ich habe alte Roseanne-Folgen geguckt 🙂 – es war Luxus pur nach 5 Tagen am Lagerfeuer.
Aufgefrischt ging es dann nach San Francisco. Drei Tage wollten wir die Stadt erkunden. Wir hatten uns ein Hostel mitten in Downtown gebucht. Wir wollten SF hautnah erleben. Unser Auto stellten wir erstmal für 100 Dollar in einem sicheren Parkhaus ab. Empfehlung von den Hostel-Angestellten. Dann bezogen wir unser 4-Bett-Zimmer. Zuerst waren wir ganz allein. Später gesellte sich noch ein Neuseeländer hinzu. Er findet großen Gefallen an Marihuana. Glück für ihn, dass der Genuss in Kalifornien legal ist. Jedenfalls roch es nun jeden Tag in unserem Zimmer recht süßlich.
Jeden Morgen weckte uns sehr schmackhafter Pancake-Geruch. Das Hostel stellt Pancake-Teig, Pfannen, Herd, Öl und Sirup zur Verfügung. Den Rest hat dann jeder Gast selbst in der Hand. Der Duft durchströmte das ganze Hostel. Kristian und ich stiegen jeden Morgen mit ins Gemetzel ein. Wir steigerten uns von Tag zu Tag. Zuerst ein Pancake, dann zwei, dann zwei mit Obst und Kristian drei. So starteten unsere Tage.
Zunächst wollten wir nur die Stadt auf uns wirken lassen. Wir schlenderten ziellos durch die Straßen. Ich war fassungslos. Überall Elend. Unzählige Obdachlose bevölkerten die Straßen. Eben war da noch ein hipper Laden und dann steigt einem schon der Urin- und Marihuanageruch in die Nase. Ich fands nicht cool und hip. Mich strengte das ganze Elend an. Abends ging es dann auf andere Art weiter. Viele junge bekiffte oder betrunkene Hostelgäste auf der Suche nach dem großen Abenteuer machten unser Scrabble-Match unmöglich. Wir mussten unser Spiel abbrechen, weil es keine Chance auf Ruhe gab.
Am nächsten Morgen wollten wir nun endlich SF richtig erleben. Aber zuerst die Post abholen. Nach einem langen Aufstieg – in SF geht es bergab und bergauf -erreichten wir die Post und mussten feststellen, dass General Delivery an einem anderen Ort ausgegeben wird. Und zwar mitten in der Obdachlosenszene.
Hier macht General Delivery auch echt Sinn. Gerade für Obdachlose muss es sowas geben. Sie erhalten auch mal Post. Der Schalter bestand zum ersten Mal auf unserer Reise aus Panzerglas. Etwas erschreckend im ersten Moment. Aber je länger wir dort standen – und das war eine Stunde, weil der Postbeamte prompt in die Mittagspause ging, als wir ankamen -, desto weniger konnten wir das Panzerglas verstehen. Die meisten Menschen um uns herum waren vielleicht etwas verwirrt, betrunken, verwahrlost, ohne Zukunft, ohne Plan, ohne Hilfe, aber nicht gefährlich. In unserer Stunde mittendrin ergaben sich natürlich auch Gespräche. Wir tratschten mit einer Alkoholikerin und ihrem Schwiegersohn oder Sohn. So genau konnte sie das nicht mehr sagen. Dann war da noch eine ältere Frau, die mir ihren Fahrschein für das Cable Car schenkte. Sie brauchte ihn nicht, da Senioren ja frei fahren können. Gegenüber konnten wir einige bei der Morgenhygiene und beim Drogenhandel beobachten. Ihr Lager wirkte so, als ob sie fest dort wohnen. Aber auf der Straße gibt es keinen festen Wohnsitz. Dafür sorgen die Polizeibeamten.
Die Kommunikation unter den Obdachlosen war laut, grob, wirr, und hin und wieder sehr humorvoll. Auf jeden Fall kannte jeder jeden. Uns beachtete man kaum. Warum auch? Obdachlosigkeit trifft in SF auf Nichtobdachlosigkeit. Zur Arbeit eilende Menschen neben sich betrinkenden ist Normalität. Manche meinen, dass sich das Klima in SF besonders dafür eignet, obdachlos zu sein. So kann man die Sozialhilfe auf den Kopf hauen und hat draußen trotzdem einen warmen Schlafplatz. Na ich weiß ja nicht, ob das ein selbst gewähltes Lebenskonzept ist.
Nach dem Postgang machten wir uns auf den Weg zum größten Touristenhighlight und Kontrastprogramm – die Golden Gate Bridge. Neben unzähligen Autos und Menschen überquerten auch wir die Brücke. Die erwünschte Wirkung setzte nicht ein. Es war laut und voll und die Brücke glänzte gar nicht golden. Vielleicht war das einfach zu viel Zucker morgens mit den Pancakes. Jedenfalls wollte uns SF (abgesehen von einem Strandnachmittag) nicht so richtig gefallen. Waren unsere Erwartungen zu hoch? Egal wir hatten unser Kalifornien längst erlebt und das ist wohl die Natur. Wir fuhren dann noch ein paar Tage auf der 101 Richtung Kanada. Wir haben noch wunderschöne Natur gesehen – Redwoods, Ozean, Wälder. Schön wars. In Seattle gaben wir unseren Kleinwagen wieder ab und fuhren mit dem Zug weiter nach Vancouver. Endlich Kanda :-)!